Alltagstraining für Frauenpower
Cornelia Stadler und Renate Wolff
Zwei Dozentinnen schauen zurück
Cornelia, lass uns doch mal über die Rhetorikseminare
für Frauen reden.
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Renate
Wolff
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Ist ja schon eine Weile her, aber ich erinnere mich
noch gut daran: unsere sieben gemeinsamen Jahre als Trainerinnen.
Vor jedem Seminartermin sind wir in Klausur gegangen.
Bei Kaffee und Kuchen haben wir dann am Programm geknobelt.
Ja, denn wir hatten den Ehrgeiz, den Ablauf immer
noch ein bisschen zu verbessern, neue Übungen oder ein Thema anders
vorzustellen.
Weißt du noch, wie wir im Wohnzimmer Frauen
- und Männersprache ausprobiert
..
.und dann die Körpersignale getestet haben?
An uns, aber manchmal auch an Wolfgang.
Ich war jedenfalls froh, dass du immer die Poster vorbereitet
hast. Denn die waren unser wichtigstes Transportmittel für die Inhalte
.,
.
zum Beispiel für den Aufbau einer Rede,
über den Beziehungsschmetterling und warum Redeangst was ganz Normales
ist.
Bei den ersten Seminaren waren wir ja noch gar nicht
sicher, was die Teilnehmerinnen von uns und dem Wochenende erwarten. Da
kamen Frauen, die bereits politisch sehr erfahren waren, einige als Stadt-
oder Gemeinderätinnen, andere in Parteiämtern; Studentinnen waren
dabei, aber auch wesentlich Ältere; viele hatten akademische Berufe,
soziale oder kulturelle Ehrenämter. Wenn wir uns dann die Teilnehmerinnenliste
anschauten, war das schon im Vorfeld spannend.
Deshalb war ich jedes Mal wieder überrascht,
wie schnell unter den Frauen, die sich fast alle fremd waren, so eine freundliche
und vertrauensvolle Atmosphäre entstand. Die war schon am Freitagabend
bei den Vorstellungsinterviews zu spüren.
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| Cornelia Stadler |
Vielleicht
lag's auch daran, dass wir beide uns als Team so gut verstanden und ergänzt
haben. Jedenfalls wurde dieser Eindruck von den Teilnehmerinnen beim Abschluss
immer wieder hervorgehoben.
Wenn wir dann am Sonntagnachmittag sämtliche
Seminarwerkzeuge zusammengepackt haben, waren wir ganz schön müde.
Aber eben auch sehr zufrieden, weil's wieder gut geklappt hatte.
Was daran zu merken war, dass viele am Ende des ersten
Seminars schon nach der Fortsetzung fragten.
Die wir dann auch angeboten haben. Mit Anleitungen
für Diskussionen bis hin zum Moderationstraining und Tipps für
die Versammlungsleitung. Aufgebaut wie strategische Bausteine für Sprechsituationen
im Alltag.
Dabei hab ich selbst immer noch dazu gelernt. Mit
der Routine kam die Sicherheit und die konnte ich wieder einsetzen bei meinem
eigenen politischen Engagement vor Ort.
Stimmt genau. Vielleicht ist mir erst allmählich
klar geworden, Kommunikation ist weniger eine Auseinandersetzung über
den Kopf, sondern geht viel stärker über die Gefühle. Nur
wenn die Bauchebene stimmt, ist jemand offen für die Argumente der
anderen.
Aber natürlich ist auch eine gute Rhetorik
kein Wundermittel gegen Probleme im menschlichen Miteinander. Bestimmt kein
Ersatz für klare Ziele.
Weshalb wir vor allem vermitteln wollten, sich über
die eigenen Ziele bewusst zu werden. Wenn frau weiß, was sie will,
kann sie eine Argumentationskette aufbauen und lässt sich von Einwänden
nicht überrumpeln. Wer selbst von etwas überzeugt ist, kann mit
Widerständen besser umgehen.
Eben das war eines unserer Ziele, dass Frauen
ein Gespräch, das nicht zum gewünschten Ergebnis geführt
hat,
.
nicht als persönliche Niederlage empfinden.
Wozu wir Frauen ja gerne neigen. In unseren Seminaren sollten sie lernen,
wie sie einen Gesprächsfaden später zu einer günstigeren
Gelegenheit wieder aufnehmen können. So nach dem Motto: "Sind
wir uns soweit einig, dass ich das Thema dann und dann wieder ansprechen
kann? Aber, Renate, wenn wir schon über Schwierigkeiten reden: die
Technik war jedes Mal eine Herausforderung. Funktioniert die Videokamera
..
haben wir die passenden Kabel dabei?
Sind die Mikros in Ordnung und stehen zwei Fernseher
zur Verfügung? Weil wir die Gruppe geteilt haben um die Aufnahmen möglichst
intensiv auszuwerten.
Ich glaube, das Wichtigste für jede Teilnehmerin
war doch, dass sie sich selbst mal auf dem Film beobachtet, wie sie beim
Sprechen vor einer Gruppe wirkt.
Auch wenn einige vorher sagten, wie unangenehm ihnen
die Kamera sei, sie wären sehr enttäuscht gewesen, wenn die Möglichkeit
zum Feedback nicht bestanden hätte. Genauso wichtig war die Erfahrung,
dass sich Frauen ohne jeden Konkurrenzdruck oder Angst vor Imageverlust
bewerten.
Ja, ich erinnere mich an teilweise sehr, sehr
intensive und offene Gespräche, die dabei zustande kamen. Und kein
Seminar lief nach Schema F ab
.
öfters dagegen mit einem Schuss Improvisation.
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