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Interview mit Siegfried Schneider

Siegfried Schneider
Siegfried Schneider

Herr Schneider, wie definieren Sie Politische Bildung?

Zunächst ist es ein weites Feld. Es beginnt vom eigenen Umfeld: Wie wirken sich politische Entscheidungen auf das persönliche Umfeld aus, als Bürger einer Kommune bis hin als Bürger eines Staates, letztlich bis hin in seiner Funktion als Weltbürgers. Politische Bildungsarbeit hat sicher den notwendigen Auftrag, politische Grundbildung wach zu halten. Auf der anderen Seite muss und kann sich politische Bildungsarbeit mit speziellen Themen befassen. Ich denke, man darf das nicht zu isoliert sehen. Viele Entscheidungen im Wirtschaftsprozess, viele Entscheidungen in Technologiefragen haben eine ethische Komponente. Und diese ethische Komponente ist auch immer einer Frage der politischen Auseinandersetzung, des sich Befassens mit politischen Zielen. Dies ist eine wichtige Aufgabe, die über Stiftungen geleistet wird, die aber auch Grundlage in der schulischen Bildungsarbeit sein muss und die letztendlich auch eine Holschuld des Einzelnen ist. (...) (Hier anhören)

Können Sie sich vorstellen, was es für Einrichtungen, wie das Bayerische Seminar für Politik e.V. oder die Hanns-Seidel-Stiftung bedeutet, wenn weitere Mittel aus dem Bayerischen Landtag für Politische Bildung gekürzt oder ganz gestrichen werden?

Natürlich ist uns der schmerzhafte Eingriff bewusst. Es geschieht ja nicht deshalb, weil man sagt, diese Arbeit wird nicht gewürdigt oder die ist nicht wertvoll, so dass sie nicht unterstützt wird. Darum ging es bei allen Debatten nicht. Sondern es ging aus unserer Sicht darum zu sagen, wie können wir den bayerischen Haushalt so gestalten, dass er zukunftsfähig ist. Die Mindereinnahmen belaufen sich für das Jahr 2004 auf 1,5 Milliarden Euro (...) Jeder Teilbereich muss seinen Beitrag leisten, und auch die politischen Stiftungen und die politische Bildungsarbeit müssen einen Teilbereich leisten. Aus unserer Sicht war klar, es darf nicht zu einem Kahlschlag kommen und es darf nicht zu Kürzungen kommen, die den Bestand gefährden würden. (Hier anhören)

Welche Vorschläge können Sie den Bildungseinrichtungen machen, die künftig mit noch weniger Mitteln auskommen müssen?

Siegfried Schneider und Andrea Gutzeit
Siegfried Schneider
und Andrea Gutzeit

Ich kann jetzt nur einen Vorschlag meinerseits machen. Also, es gibt keinen abgestimmten Vorschlag als Ratschlag an die jeweiligen Einrichtungen, weil jede Einrichtung anders strukturiert ist, einen anderen Kundenkreis anspricht. Aber aus meiner Sicht ist es ganz entscheidend, dass ein qualitätsvolles Angebot da ist, das auf großes Interesse stößt, und dass wenn das Angebot gut ist, die Menschen auch dafür bereit sind, einen gewissen Teil vielleicht höhere Gebühren mit zu entrichten. Wir sehen dass, wenn ich ein anderes Beispiel hernehmen darf, wie viele Menschen bereit sind, Geld für Fitnessstudios auszugeben. Man muss sich dann die Frage stellen, was leisten die Fitnessstudios im Vergleich zu Sportvereinen (...) (Hier anhören)

Die heutige Zeit ist von Politikverdrossenheit und Desinteresse an politischen Themen geprägt. Ist Politische Bildung daher nicht besonders wichtig? Insofern ist die Frage, ist es nicht auch Auftrag des Staates dafür zu sorgen, dass die Bürger sich wieder mehr engagieren und sich für die Politik wieder mehr öffnen?

Also, ich sehe den Auftrag des Staates hier in erster Linie in der schulischen Bildungsarbeit. Wie kann ich das Thema Politik, den Umgang mit politischen Themen in der Schule stärker implementieren, wie attraktiv muss auch dieser Unterricht gestaltet sein, wie zeitnah muss er sein, welche Betroffenheit kann er bei den Schülerinnen und Schülern wecken? Vom Thema Globalisierung bis hin zum Thema Finanzwirtschaft und Themen allgemeiner politischer Bildungsarbeit. Also, da sehe ich die staatliche Aufgabe eher im schulischen Bereich. Ich kann als Staat nicht in jedem Teilbereich des Erwachsenenlebens eine Förderung geben, wo ich alle erreiche. Sondern da werde ich gewisse Anschlussfinanzierungen geben müssen. Es ist aber auch ein Stück Verantwortung der politischen Parteien, dass sie Ihrer Bildungsarbeit einen gewissen Stellenwert beimessen. Und in ähnlicher Weise gilt dies auch für kommunale und private Einrichtungen. (Hier anhören)

Herr Schneider, vielen Dank für dieses Gespräch.

Interview: Andrea Gutzeit. Photos: Angelika Steer. Zusammenfassung des Interviews: Heiner Vogel.


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