
Obwohl die SPD ihren Wahlsieg bei der Bundestagswahl 1998 vor allem Wählern aus den neuen Bundesländern zu verdanken hat, ist es ihr bisher nicht gelungen, dort in größerem Umfang Mitglieder zu gewinnen. Nicht einmal 30.000 Genossen zählt die SPD im Osten (ohne Berlin), etwa die Hälfte davon ist älter als 50 Jahre. Besonders die PDS macht den Sozialdemokraten der neuen Länder das Leben schwer. Trotz rapiden Mitgliederschwundes hat die ehemalige Staatspartei dort noch über 90.000 Mitglieder, also ungefähr dreimal so viele wie die SPD. Viele dem linken politischen Spektrum zuneigende Ostdeutsche sehen ihre Interessen offenbar besser von der PDS vertreten. Die CDU hingegen befindet sich auch in den neuen Bundesländern auf dem Weg zur Volkspartei. Zwar hat sie in Sachsen noch immer weniger Mitglieder als die PDS, die SPD müsste ihre Mitgleiderzahlen jedoch mehr als verdreifachen, um zur CDU und mehr als vervierfachen, um zur PDS aufzuschließen. Die FDP konnte im Bevölkerungsreichsten östlichen Bundesland 3000, die Grünen 1000 Mitstreiter gewinnen.
Die hohe Arbeitslosigkeit bleibt auch weiterhin ein zentrales Problem der neuen Bundesländer. So weisen zahlreiche Städte, Regionen und auch ganze Länder Arbeitslosenquoten über 20 Prozent auf. Im April 2000 erreichte die Zahl der registrierten Arbeitslosen in Sachsen-Anhalt einen Stand von 20,6 %. Ein Jahr zuvor waren es gar 21,7 %. Die sächsische Kleinstadt Hoyerswerda brachte es 1997 auf eine Arbeitslosenquote von 26,5%. Die Quote betrug im Jahr 2000 in Gesamtdeutschland 9,2% (9,8 % / 1999), in Westdeutschland 7,5% (8,3% / 1999) und in Ostdeutschland 17,1% (16,7 % / 1999). Schon diese Zahlen machen deutlich, dass die jüngste konjunkturelle Belebung zwar auf dem Arbeitsmarkt im Westen, jedoch kaum im Osten Deutschlands positive Spuren hinterlassen hat. Während in Westdeutschland die Zahl der Erwerbstätigen (in 1000 Personen) von 31304 im Jahr 1997 auf 33095 im Jahr 2000 kontinuierlich gestiegen ist, kann man in den neuen Bundesländern (5890 / 1997; 5803 / 2000) eine gegenläufige Tendenz erkennen.
Um dieser Herausforderung gerecht zu werden, führt die Bundesregierung zahlreiche Maßnahmen zur Förderung von Wirtschaft und Beschäftigung durch. So wurden die Fördermittel für Forschung und Entwicklung in Ostdeutschland von 1998 an auf nunmehr über drei Milliarden Mark gesteigert. Die Infrastrukturförderung stellt mit über 19 Milliarden Mark, noch vor der Arbeitsförderung mit fast 12 Milliarden Mark, den Löwenanteil der Finanzhilfen dar.